Eine Fallakte aus der Region – mit Signalwirkung weit darüber hinaus.
2026 startet für viele Unternehmerinnen und Unternehmer nicht mit Aufbruch, sondern mit einem Gefühl, das man in Meetings selten ausspricht, aber überall spürt: Frust. Insolvenzen, Energiekosten, Löhne, Bürokratie, geopolitische Unsicherheit – die Liste ist lang. Wer den Mittelstand in Reutlingen und in den umliegenden Städten kennt, weiß: Es trifft nicht nur „die Großen“, sondern vor allem die, die täglich liefern müssen.
Die Standardreaktion lautet: Aushalten. Durchhalten. Weitermachen.
Verständlich. Aber strategisch gefährlich.
Denn „Durchhalten“ ist kein Plan. Es ist ein Überlebensmodus. Und der frisst Führung.
Befund: Drei Fälle, ein Muster

Fall 1: Gastronomie.
Der Gastronom, der Energiepreise und Wareneinsatz kaum noch kalkuliert bekommt. Die Gäste sparen, er auch – und zwar an der Qualität. Außerdem ist die Personaldecke dünn, die Stimmung kippt schnell.
Fall 2: Handel.
Die Händlerin, die weniger Frequenz sieht. Gleichzeitig soll sie mehr Miete, steigende Nebenkosten und Löhne tragen, was nur in Wachstumsphase realistisch sein könnte.
Fall 3: Industrie / Maschinenbau.
Der Maschinenbauer, der spürt, wie Aufträge abwandern, wie der internationale Druck steigt, wie Lieferketten wegbrechen. Und trotzdem fressen Regulierung, Bürokratie und Planungsaufwand nicht weniger, sondern immer mehr Zeit.
Doch wer nur durchhält, verliert.
Nicht mit einem Knall – sondern schleichend: Entscheidungen werden vertagt, Prioritäten verwischen, die Organisation arbeitet mit mehr Aufwand und erreicht weniger. Und irgendwann ist nicht nur Marge weg, sondern auch das Momentum.
Problem: Die Richtung verloren
Das passiert nicht aus Schwäche. Im Gegenteil: Der Mittelstand ist trainiert auf Verantwortung. Genau deshalb ist der Krisenmodus so tückisch: Man funktioniert weiter – und merkt zu spät, dass man dabei die Richtung verloren hat.
Typische Symptome, die ich immer wieder sehe:
- Entscheidungen werden vertagt, weil „jetzt nicht der richtige Zeitpunkt“ da ist. Spoiler: Der richtige Zeitpunkt kommt selten.
- Alles wird gleichzeitig wichtig, weil niemand enttäuscht werden soll: Kunden, Mitarbeitende, Bank, Familie.
- Strategie wird zur verblassten Folie im Hintergrund, während operative Brände den Kalender diktieren.
- Führung wird einsam, weil man intern andere nicht belasten will – und extern niemanden hat, der Klartext spricht.
Das Ergebnis ist nicht „zu wenig Arbeit“. Das Ergebnis ist viel zu viel Arbeit – mit zu wenig Wirkung.
Die Beweislage: Verödung wird sichtbar
Die Folgen sind nicht mehr zu übersehen – und zeigen sich nicht nur an der Insolvenz namhafter Unternehmen. Wenn der Mittelstand wankt, dann wankt die ganze Region. Wer glaubt, Verödung sei ein Problem „anderswo“, kann sich umschauen – auch bei uns im Raum Reutlingen und der Region Neckar-Alb.
- Reutlingen unlimited – ein riesiges Areal sichtbar in der Stadt, wo sich zwischen Anspruch und Realität Leere ausbreitet.
- Kanzlei- und Metzgerstraße in Reutlingen – wer dort läuft, sieht: Leerstand ist ein gravierendes Image-Problem, egal ob man es Stadtbild nennt oder anders.
- Bad Urach, Stadtmitte – ein weiteres Beispiel, das zeigt, wie schnell eine Innenstadt kippt, wenn Frequenz, Handel und Gastronomie sich nicht mehr gegenseitig tragen.
Das ist keine Schwarzmalerei. Das ist Standortrealismus. Wer heute denkt „bei uns ist es noch nicht so schlimm“, sollte sich klar machen: Standortdynamiken sind ansteckend.
Der Gegenbeweis: Mittelstand als Innovationsmaschine
Umgekehrt gilt auch: Der Mittelstand kann einen Standort nach vorn bringen – im Kleinen wie im Großen. Auch das kann man vor Ort sehen.
Die Reutlinger Oberamteistraße ist ein Gegenbeweis: Wenn Unternehmergeist, Konzepte, Gastlichkeit und Mut zusammenkommen, entsteht ein Ort, an den Menschen wieder hinwollen. Nicht, weil jemand „subventioniert“, sondern weil jemand liefert.
Und Innovation entsteht nicht nur in den Laboren großer Konzerne. Sie entsteht in Werkstätten, Backstuben, Büros und Hallen – dort, wo Unternehmerinnen und Unternehmer täglich Verantwortung tragen.
Nur ein paar wenige von vielen Beispielen aus unserer Region, die zeigen, wie Zukunft praktisch geht:
- Feldroboter und KI in der Landwirtschaft: Hightech, wo viele immer noch nur „Tradition“ vermuten.
- Bäcker, die zur Erlebniswelt werden: Showküche, Backschule, neue Formate – nicht als Spielerei, sondern als Geschäftsmodell.
- Holzbau, der in Hotel- und Hochhausdimensionen denkt: aus dem Mittelstand heraus, mit Mut zur neuen Liga.
Tatmuster der Gewinner: kurze Wege, schnelle Tests, radikale Kundennähe – und die Konsequenz, Routinen zu beenden, die nicht mehr tragen.
Der Hebel: Stolz plus Entscheidungsdisziplin

Frust ist ein wichtiger Signalgeber: „So wie es läuft, darf es nicht weitergehen.“
Der wichtigste Hebel dagegen ist Stolz auf die Fähigkeiten, mit denen so viel erreicht wurde. Allerdings muss zwingend darauf sofort eines folgen: Entscheidungsdisziplin. Denn Stolz ohne Konsequenz bleibt nur ein Gefühl.
Wenn Du (oder Ihr als Führungsteam) gerade im Krisenmodus steckt: Macht es nicht komplizierter, als es ist. Macht es klarer.
Entrümpelt konsequent
Streicht, was Energie frisst und wenig bringt: zu viele Meetings, zu oft „kann man ja mal mitnehmen“, zu viele Nebenschauplätze.
Ziel: 30% weniger Kalenderlärm und 30% weniger Nebenschauplätze.
Setzt einen klaren Fokus
Im Überlebensmodus wird täglich die Schrotflinte angelegt – irgendwas trifft immer.
Führung macht das Gegenteil: ein Fokus, volle Konsequenz, 30 Tage.
Ein Thema. Ein Ergebnis. Ein Termin.
Verdoppelt euer Führungstempo
Stellt euch jeden Freitag die Frage:
Wie schnell entscheiden wir?
Messt es hart: Wie alt sind unsere wichtigsten offenen Entscheidungen (in Tagen)?
Ziel: Dieses Entscheidungsalter in 30 Tagen halbieren – das ist Führungstempo.
Wer diese drei Schritte ernsthaft geht, spürt oft nach wenigen Wochen etwas, das den Frust bricht: Handlungsfähigkeit.
Hinweis: Im PRAGMA Klartext-Board arbeiten Unternehmer mit Unternehmern genau an dieser Schnittstelle – Klartext, Entscheidungen, Umsetzung. Wenn Du mehr wissen willst, dann schau mal hier: https://pragma-beratung.de/board/
Und nimm ganz unkompliziert Kontakt zu unserem Geschäftsführer Reiner App auf: ra@pragma-beratung.de
